Trauma & Dissoziation
Mittwoch, 08. April 2015
Trauma & Dissoziation
Ein Trauma ist ein als lebensbedrohlich wahrgenommenes Ereignis, das die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt und den betroffenen Menschen mit Gefühlen der Hilflosigkeit, intensiver Angst oder Entsetzen überflutet. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, also Körper und Seele sich der Situation nicht entziehen können, schaltet der menschliche Organismus auf Überlebensstrategien um. Der Mensch erstarrt (ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren) und dissoziiert.
Dissoziation ist die Fähigkeit, etwas aus dem Alltagsbewusstsein abzuspalten. In gewissem Ausmaß kennen das sehr viele Menschen, z. B. wenn jemand kurz nach einem schweren Verkehrsunfall trotz Verletzung keine Schmerzen spürt, klar denkend Hilfe organisiert und sich später vielleicht nur noch bruchstückhaft daran erinnert. Dies ist in Gefahrensituationen eine sinnvolle Reaktion des menschlichen Organismus. Bei andauernder Gefahr kann Dissoziation bei kleinen Kindern zur dauerhaften Bewältigungsstrategie werden. Ihre Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift und daher sehr formbar. Kleine Kinder sind auf nahe Bezugspersonen angewiesen und von ihnen abhängig, selbst wenn diese das Kind vernachlässigen und/oder gewalttätig sind.
Die Aufspaltung der Persönlichkeit ermöglicht das Überleben in solch ausweglosen Lebensverhältnissen. Diese Dissoziation ist keine Entscheidung, sondern geschieht unwillkürlich und ist von den Betroffenen nicht steuerbar. Es gibt jedoch auch Täterkreise, in denen gezielt mit bestimmten Methoden Dissoziative Identitätsstrukturen erzeugt werden (siehe Rituelle Gewalt).
Verschiedene Persönlichkeiten
Zunächst spaltet sich die Persönlichkeit in zwei Bereiche. Das „Alltags-Ich" versucht, im Alltag zu funktionieren, also zur Schule zu gehen, mit anderen Kindern zu spielen, Neues zu lernen etc. In dem anderen Bereich der Persönlichkeit sind die Erinnerungen an die Gewaltsituationen und die damit verbundenen Gefühle gespeichert.
Wenn die Gewalt andauert und unaushaltbar ist, wird die Persönlichkeit weiter aufgespalten. Manche Teile bewahren ausschließlich ein Erinnerungsbruchstück, oder eine Sinneswahrnehmung (z.B. die bildhaften Erinnerungen an eine Gewalttat oder ein Gefühl des Erstickens ohne Erinnerungen an die ursprüngliche Situation). Andere Teile leben relativ unabhängig voneinander weiter, machen in erlebten Situationen weitere Erfahrungen, erwerben Fähigkeiten, entwickeln Eigenarten, eigene Schriften, Vorlieben, Namen.
Schließlich gibt es eigenständige Persönlichkeiten, die sich zwar einen Körper „teilen", aber sehr verschieden sein können. Manche sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben in dem Alter, in dem sie entstanden sind. Deshalb kann es z.B. in einem 40-jährigen Körper eine oder mehrere 40-jährige Alltagspersönlichkeit/en geben und gleichzeitig auch Persönlichkeiten, die im Selbstempfinden und in der Wirkung auf andere Menschen und in ihrer Entwicklung wie ein Baby, Kleinkind, sechsjähriges Kind oder 15-jähriger Jugendlicher sind.
Es kann Persönlichkeiten verschiedenen Alters geben, die gemeinsam für den Alltag zuständig sind. Manche Persönlichkeiten leben weiterhin in der Erinnerung an die damalige bedrohliche Situation oder erleben auch heute noch Gewalt.
Die Trennung zwischen den Persönlichkeiten kann mehr oder weniger umfangreich sein. Reize und Situationen, die der damaligen Situation ähneln (so genannte Trigger) können diese Trennung durchbrechen. Sie können dann zu einer Überflutung des „Alltags-Ich“ mit den abgespaltenen Gewalterfahrungen führen, oder einen Persönlichkeitswechsel bewirken. Bei multiplen Menschen ist es oft so, dass manche Persönlichkeiten voneinander wissen, andere kennen nur einige und wieder andere haben sehr oft „Zeitlücken".
Symptome
Es gibt eine Vielzahl an Symptomen, von denen multiple Menschen berichten. Folgende Symptome können, müssen aber nicht auftreten:
Zeitlücken – Amnesie für das, was gerade zuvor passiert ist, z.B. keine Erinnerung, wie man an diesen Ort gekommen ist, warum man dieses Kleidungsstück trägt oder wer die Person ist, mit der man spricht. Amnesien für die eigene Lebensgeschichte (wenig/keine Erinnerungen an die Kindheit)
Depersonalisation/Derealisation – der Körper oder die Umwelt fühlen sich zeitweise fremd und unwirklich an
Flashbacks – plötzlich auftretende Erinnerungen an bedrohliche Situationen oder Teile davon in Form von Bildern, Geräuschen oder Körperempfindungen
Stimmen hören – Stimmen im Kopf, die z.B. etwas kommentieren, streiten, drohen, weinen..
Ängste – das können konkrete Ängste vor z.B. Menschen oder Feuer sein oder eine allgemeine Grundangst. Der Ursprung der Ängste ist zunächst oft unverständlich.
Körperschmerzen und Bewegungsstörungen – Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers, ohne dass dieser aktuell krank oder verletzt ist, Bewegungsabläufe teilweise nicht steuern können
Selbstverletzendes Verhalten – wiederholtes Schneiden oder Verbrennen der Haut, übermäßiges Essen oder Hungern, stoffgebundene Süchte, Unterlassen von Selbstfürsorge
Unterschiedliche Verhaltensweisen, Schriften, Vorlieben, Fähigkeiten …
Solche Symptome können zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich sein und auch von Persönlichkeit zu Persönlichkeit verschieden stark vorhanden sein.
Neben dem Kennenlernen der verschiedenen Persönlichkeiten und des Lernens innerer Kommunikation, ist es für viele Menschen aufgrund der belastenden Symptome notwendig, die eigene Geschichte oder Teile davon aufzuarbeiten. Es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten wie traumaspezifische Therapie oder Beratung. Dabei kann es letztlich um die Integration der traumatischen Erfahrungen gehen.
Integration
Integration bedeutet die Realisation: „Ja, ich habe das erlebt – und es ist vorbei!“. Die Gewalt ist Vergangenheit geworden. Der/Die Betroffene kann sich daran erinnern, ohne von Flashbacks überschwemmt zu werden. Dies ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Allerdings bleibt dennoch die Aufgabe, mit dem Wissen um die erlebte Gewalt und ihren Folgen zu leben.
Für manche Fachleute und multiple Menschen bedeutet Integration auch eine Fusion, d.h. „Verschmelzung“ der verschiedenen Persönlichkeiten eines multiplen Menschen zu einer einzigen, einheitlichen Persönlichkeit. Unserer Meinung nach sollte das allein die Entscheidung des jeweiligen multiplen Menschen selbst sein. Es gibt Multiple, bei denen sich alle Persönlichkeiten nach einem langen gemeinsamen Weg zu einer vollständigen Fusion entscheiden oder sich diese einfach so ergibt, weil die Mauern nicht mehr notwendig sind. Bei anderen Multiplen schließen sich nur einige Persönlichkeiten zusammen.
Manchmal beschließen aber auch alle oder einige starke Alltagspersönlichkeiten, dass sie eigenständig bleiben wollen und den Alltag gemeinsam gestalten. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten.
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Ein Trauma ist ein als lebensbedrohlich wahrgenommenes Ereignis, das die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt und den betroffenen Menschen mit Gefühlen der Hilflosigkeit, intensiver Angst oder Entsetzen überflutet. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, also Körper und Seele sich der Situation nicht entziehen können, schaltet der menschliche Organismus auf Überlebensstrategien um. Der Mensch erstarrt (ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren) und dissoziiert.
Dissoziation ist die Fähigkeit, etwas aus dem Alltagsbewusstsein abzuspalten. In gewissem Ausmaß kennen das sehr viele Menschen, z. B. wenn jemand kurz nach einem schweren Verkehrsunfall trotz Verletzung keine Schmerzen spürt, klar denkend Hilfe organisiert und sich später vielleicht nur noch bruchstückhaft daran erinnert. Dies ist in Gefahrensituationen eine sinnvolle Reaktion des menschlichen Organismus. Bei andauernder Gefahr kann Dissoziation bei kleinen Kindern zur dauerhaften Bewältigungsstrategie werden. Ihre Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift und daher sehr formbar. Kleine Kinder sind auf nahe Bezugspersonen angewiesen und von ihnen abhängig, selbst wenn diese das Kind vernachlässigen und/oder gewalttätig sind.
Die Aufspaltung der Persönlichkeit ermöglicht das Überleben in solch ausweglosen Lebensverhältnissen. Diese Dissoziation ist keine Entscheidung, sondern geschieht unwillkürlich und ist von den Betroffenen nicht steuerbar. Es gibt jedoch auch Täterkreise, in denen gezielt mit bestimmten Methoden Dissoziative Identitätsstrukturen erzeugt werden (siehe Rituelle Gewalt).
Verschiedene Persönlichkeiten
Zunächst spaltet sich die Persönlichkeit in zwei Bereiche. Das „Alltags-Ich" versucht, im Alltag zu funktionieren, also zur Schule zu gehen, mit anderen Kindern zu spielen, Neues zu lernen etc. In dem anderen Bereich der Persönlichkeit sind die Erinnerungen an die Gewaltsituationen und die damit verbundenen Gefühle gespeichert.
Wenn die Gewalt andauert und unaushaltbar ist, wird die Persönlichkeit weiter aufgespalten. Manche Teile bewahren ausschließlich ein Erinnerungsbruchstück, oder eine Sinneswahrnehmung (z.B. die bildhaften Erinnerungen an eine Gewalttat oder ein Gefühl des Erstickens ohne Erinnerungen an die ursprüngliche Situation). Andere Teile leben relativ unabhängig voneinander weiter, machen in erlebten Situationen weitere Erfahrungen, erwerben Fähigkeiten, entwickeln Eigenarten, eigene Schriften, Vorlieben, Namen.
Schließlich gibt es eigenständige Persönlichkeiten, die sich zwar einen Körper „teilen", aber sehr verschieden sein können. Manche sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben in dem Alter, in dem sie entstanden sind. Deshalb kann es z.B. in einem 40-jährigen Körper eine oder mehrere 40-jährige Alltagspersönlichkeit/en geben und gleichzeitig auch Persönlichkeiten, die im Selbstempfinden und in der Wirkung auf andere Menschen und in ihrer Entwicklung wie ein Baby, Kleinkind, sechsjähriges Kind oder 15-jähriger Jugendlicher sind.
Es kann Persönlichkeiten verschiedenen Alters geben, die gemeinsam für den Alltag zuständig sind. Manche Persönlichkeiten leben weiterhin in der Erinnerung an die damalige bedrohliche Situation oder erleben auch heute noch Gewalt.
Die Trennung zwischen den Persönlichkeiten kann mehr oder weniger umfangreich sein. Reize und Situationen, die der damaligen Situation ähneln (so genannte Trigger) können diese Trennung durchbrechen. Sie können dann zu einer Überflutung des „Alltags-Ich“ mit den abgespaltenen Gewalterfahrungen führen, oder einen Persönlichkeitswechsel bewirken. Bei multiplen Menschen ist es oft so, dass manche Persönlichkeiten voneinander wissen, andere kennen nur einige und wieder andere haben sehr oft „Zeitlücken".
Symptome
Es gibt eine Vielzahl an Symptomen, von denen multiple Menschen berichten. Folgende Symptome können, müssen aber nicht auftreten:
Zeitlücken – Amnesie für das, was gerade zuvor passiert ist, z.B. keine Erinnerung, wie man an diesen Ort gekommen ist, warum man dieses Kleidungsstück trägt oder wer die Person ist, mit der man spricht. Amnesien für die eigene Lebensgeschichte (wenig/keine Erinnerungen an die Kindheit)
Depersonalisation/Derealisation – der Körper oder die Umwelt fühlen sich zeitweise fremd und unwirklich an
Flashbacks – plötzlich auftretende Erinnerungen an bedrohliche Situationen oder Teile davon in Form von Bildern, Geräuschen oder Körperempfindungen
Stimmen hören – Stimmen im Kopf, die z.B. etwas kommentieren, streiten, drohen, weinen..
Ängste – das können konkrete Ängste vor z.B. Menschen oder Feuer sein oder eine allgemeine Grundangst. Der Ursprung der Ängste ist zunächst oft unverständlich.
Körperschmerzen und Bewegungsstörungen – Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers, ohne dass dieser aktuell krank oder verletzt ist, Bewegungsabläufe teilweise nicht steuern können
Selbstverletzendes Verhalten – wiederholtes Schneiden oder Verbrennen der Haut, übermäßiges Essen oder Hungern, stoffgebundene Süchte, Unterlassen von Selbstfürsorge
Unterschiedliche Verhaltensweisen, Schriften, Vorlieben, Fähigkeiten …
Solche Symptome können zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich sein und auch von Persönlichkeit zu Persönlichkeit verschieden stark vorhanden sein.
Neben dem Kennenlernen der verschiedenen Persönlichkeiten und des Lernens innerer Kommunikation, ist es für viele Menschen aufgrund der belastenden Symptome notwendig, die eigene Geschichte oder Teile davon aufzuarbeiten. Es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten wie traumaspezifische Therapie oder Beratung. Dabei kann es letztlich um die Integration der traumatischen Erfahrungen gehen.
Integration
Integration bedeutet die Realisation: „Ja, ich habe das erlebt – und es ist vorbei!“. Die Gewalt ist Vergangenheit geworden. Der/Die Betroffene kann sich daran erinnern, ohne von Flashbacks überschwemmt zu werden. Dies ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Allerdings bleibt dennoch die Aufgabe, mit dem Wissen um die erlebte Gewalt und ihren Folgen zu leben.
Für manche Fachleute und multiple Menschen bedeutet Integration auch eine Fusion, d.h. „Verschmelzung“ der verschiedenen Persönlichkeiten eines multiplen Menschen zu einer einzigen, einheitlichen Persönlichkeit. Unserer Meinung nach sollte das allein die Entscheidung des jeweiligen multiplen Menschen selbst sein. Es gibt Multiple, bei denen sich alle Persönlichkeiten nach einem langen gemeinsamen Weg zu einer vollständigen Fusion entscheiden oder sich diese einfach so ergibt, weil die Mauern nicht mehr notwendig sind. Bei anderen Multiplen schließen sich nur einige Persönlichkeiten zusammen.
Manchmal beschließen aber auch alle oder einige starke Alltagspersönlichkeiten, dass sie eigenständig bleiben wollen und den Alltag gemeinsam gestalten. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten.
dead again,
08. Apr 15
Diese an sich völlig natürliche und sinnvolle Bewusstseinsfunktion wurde und wird wohl auch in MindControl-Experimenten (Marke MKULTRA, BLUEBIRD) missbraucht.
Der Begriff "Ritueller Missbrauch" ist ja oben schon in Klammern aufgetaucht.
Schwer zu therapieren, da der "Alltagsperson" in der Regel eben der Zugang zu den relevanten Erinnerungsinhalten fehlt.
Der Begriff "Ritueller Missbrauch" ist ja oben schon in Klammern aufgetaucht.
Schwer zu therapieren, da der "Alltagsperson" in der Regel eben der Zugang zu den relevanten Erinnerungsinhalten fehlt.
hopeandhopeless,
08. Apr 15
Schwer zu therapieren ... richtig ...
Ich stelle grad auch, geistig, die Frage der Beziehungstauglichkeit ... und befürchte ich kenne die Antwort.
Ich stelle grad auch, geistig, die Frage der Beziehungstauglichkeit ... und befürchte ich kenne die Antwort.
dead again,
08. Apr 15
Meine Antwort: Das steht und fällt mit dem Gegenüber.
Untauglich gibt's nicht, es sei denn, man glaubt das und schwierig iss besser als langweilig. =)
Untauglich gibt's nicht, es sei denn, man glaubt das und schwierig iss besser als langweilig. =)
hopeandhopeless,
08. Apr 15
Das würde aber wahrscheinlich ein eigenes psych "Potenzial" bei dem gegenüber voraussetzen...*lach* und ob diese Mischung dann "gut" wäre...?!
Und heißt das jetzt das ich in psychiatrischen Einrichtungen auf Partnersuche gehen muss? *lach*
Toll... das erspare ich meiner Tochter besser ...
Und heißt das jetzt das ich in psychiatrischen Einrichtungen auf Partnersuche gehen muss? *lach*
Toll... das erspare ich meiner Tochter besser ...
dead again,
08. Apr 15
Also zu Partnerschaften, die sich über dieses Ding gebildet haben, da muss ich sagen, das führt häufig in's Chaos, zumindest so weit ich das beobachten konnte, aber letztendlich macht es sicher die Liebe, nicht die Gesinnung, nicht die Vorgeschichte und nicht die psychische Struktur.